21.11.2022 – 21.01.2023

ANSICHTSSACHE. Hans Nowak - ein Malerleben in Peine

Anlässlich seines 100. Geburtstages am 15. Mai 1922 widmet das Kreismuseum Peine im November 2022 dem Maler Hans Nowak, einem der bekanntesten Künstler der Region, eine Einzelausstellung zu seinem Leben und Schaffen. Der aus Halle an der Saale stammende Maler hat das kulturelle Leben nach dem 2. Weltkrieg in seiner Wahlregion Peine mit seinem mannigfaltigen Oeuvre, seinem extravaganten Charakter und seiner schillernden Persönlichkeit auf vielfältige Weise geprägt.

Hans Nowak ist ein Maler zwischen den Stilen und den Zeiten. Seine malerische Produktion war scheinbar grenzenlos, trotzdem hat er seinen Platz in der Kunstgeschichte nie gefunden. Aufsehen erregte er immer wieder durch bemerkenswerte Kopien alter Meister. Somit war er immer wieder auf Augenhöhe - zumindest, was die technische Meisterschaft betraf. Das immer wieder Neue - der Wechsel der Stilrichtung - scheint sein Stil gewesen zu sein.

1968 machte Hans Nowak Schlagzeilen, als er, wie in einem Test, der musealen Kennerschaft einen "neuen Monet" aus der Bahnhofserie "Saint-Lazare Paris" schuf und dem Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig trickreich vorstellte. Und in der Tat, das Bild gelangte an die Museumswände. Ein aufsehenerregendes Narrenstück – eine geniale Posse, was die institutionelle Kunstwelt dem Künstler lebenslang nicht nachgesehen hat.

 

Andererseits versuchte Hans Nowak Meisterwerke der Kunstgeschichte, die im Weltkrieg verloren gegangen waren, durch Duplikate vor dem Vergessen zu bewahren. Rund 40 Kopien von Caravaggio bis van Gogh sind dabei entstanden.

Nowak suchte seinen Stil immer wieder auch im Festhalten von Ansichten seiner Heimat im Peiner Land. Er erkundete die Landschaft in den Jahreszeiten, die Dorfansichten und vor allem auch die Industrielandschaft. Seine glutvollen Hochofenbilder hielten die Wahrzeichen des technischen Zeitalters fest, sei es im Festhalten am pathetisch-realistischen Stil der 1930er Jahre, sei es durch farbige Abstraktion. In der Heimat feierte man ihn deshalb als einen Meister der Farbe.

Ebenso zeigte er Bilder malerischer Explorationen ferner Landschaften und Metropolen. Nicht selten inspiriert von großen Namen der Kunstgeschichte. Auf der anderen Seite standen groteske Porträts aus der unmittelbaren Nachbarschaft.

Auch das Licht war immer wieder sein Thema, hier suchte er Spiritualität und es gelang ihm nicht selten, sie einzufangen. Auch an Politik und Geschichte traute er sich heran, etwa ans Thema der deutschen Teilung. Neben biederen Porträts entstanden erotische Szenen.

Ein lebendiges Denkmal hat sich der Künstler zu Lebzeiten selbst errichtet: Die einzige private, evangelisch-lutherisch gesegnete Kapelle in Niedersachsen. 1979 errichtete er sie auf dem ehemals elterlichen Bauernhof seiner Ehefrau Inge. Mit der von ihm dafür geschaffenen Variante von da Vincis Abendmahl in Originalgröße wurde der Bauern- zum Malerhof und zu einer neuen Residenz des Peiner Bohèmians. Seine „Lukas Kapelle“ steht heute weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie wird für Zusammenkünfte des ev.-luth. Kirchenkreises Peine, für Trauungen, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt und ist beliebtes Ausflugsziel.

 

Dieser Künstler konnte und wollte nicht festgelegt werden. Er war ein Till Eulenspiegel in der Kunst und hat sich auf diversen Bildnissen auch selbst so gemalt. Eulenspiegel war bekanntermaßen aber nur nach außen hin ein Narr. Schaut man genauer hin, so sieht man, dass er seinen Mitmenschen an Denkvermögen, Scharfsinn und Witz überlegen war. Eine beachtenswerte Fußnote vielleicht, um den Menschen und Künstler Hans Nowak aus heutiger Sicht besser zu verstehen. Und ganz sicher ist die Eule nicht von ungefähr ein Hauptmotiv seiner eher raren Skulpturen. Die weise Ratgeberin Til Eulenspiegels, der ebenfalls aus dem Braunschweiger Land stammte, ist zugleich auch Anlass einer unrühmlichen Legende, die sich um die Einfalt furchtsamer Bürger von Peine rankt.

Heute ist Hans Nowaks Eulenskulptur Wahrzeichen von Peine.

Es wird eine fulminante Ausstellung im Kreismuseum von Peine ab dem 20. November zu sehen sein, die zeigen wird: Dieser Mensch, geprägt vom letzten großen Krieg in Europa ließ wirklich nichts unversucht. Und auch ohne schillernde Erfolge auf dem internationalen Kunstmarkt gelang ihm finanzielle Unabhängigkeit mit einer Brillanz, von der Peine bis heute etwas hat.

Chapeau! Herr Nowak – und herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten!

Kontakt

Stederdorfer Straße 17

31224 Peine

+49 (0) 5171 401 34 08

kreismuseum(at)landkreis-peine.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Eintritt kostenfrei!

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