Ermschel, Frank


Kreismuseum Peine

Öffnungszeiten
Di-So 11 bis 17 Uhr
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Ermschel, Frank

Informationen zum Schaffen des Künstlers

Bochum – ich komm aus Dir.... müsste es hier mit Herbert Grönemeyer heißen, denn der Maler Frank Ermschel ist dort 1957 geboren. Aus dieser herben Bergarbeiterstadt mit ihrer Ruhruniversität, an der auch ich studiert habe, kommt schon einiges Interessantes, wie man sieht... Zum Studieren aber ist Frank Ermschel nach Aachen gegangen, - das hört man an seiner Sprache mit dem rheinischen Singsang, die das Ruhrgebietsslang fast ganz abgelegt hat. Fast 1 ½ Jahre sind es her, dass Frank Ermschel im Kreismuseum Peine erstmals in dieser Region seine Bilder zeigte. Einige fanden eine Heimat in Peine. Wer die Ausstellung damals gesehen hat, wie z. B. die Galeristin Anne Heizmann, stellt schnell fest, dass er hier in Gifhorn fast ausschließlich neue Bilder betrachten kann. Und dass sich auch einiges verändert hat...

Anne Heizmanns Galerieprogramm umfasst Malerei, die sich im weitesten Sinne dem Informel zuordnen lässt, also eine abstrakte Form der Malerei, die Zustände und Gefühle bildlich umsetzt, manchmal nur noch mit der Farbmaterie an sich arbeitet, mit Prozessen, die bei der Herstellung ablaufen. Aber bei den meisten Künstlern ihrer Galerie wird das Informel umschrieben und aufgebrochen, ist es nur noch wie eine Folie, auf der Neues entsteht, etwa mit Collagen (denken Sie an Victor Kraus) oder durch Zeichen wie bei Heather Betts. A uch Frank Ermschels Bilder sind durch eine sehr eigene Arbeitsweise, aus dem Informel heraus, gekennzeichnet.

Betritt der Betrachter die schönen, hellen Räume der Galerie, wenn sie noch leer sind, umfängt ihn sofort ein Ort der Ruhe. Die Bilder in ihrer meist gedeckten Farbigkeit mit den sparsam gesetzten Zeichen sind still und entfalten ihr Eigenleben erst bei näherer Betrachtung.

Farbmaterialität und dann die Farbe selbst interessieren Frank Ermschel in seiner Arbeit. Malanlaß ist oft ein einzelner Gegenstand wie ein Glas, eine Vase, eine Leiter, die entfernt noch an die sorgsam arrangierten Stillleben von Künstlern früherer Zeiten erinnern, denken wir etwa an Cézanne. Ermschel hat daraus lapidare Bildzeichen gemacht, die trotz ihrer Sparsamkeit Überlegungen beim Betrachter auslösen. Denn sie sind niemals eindeutig. Daraus entstehen ambivalente Geschichten, die das Bild plötzlich sprechen lassen.

Sehen Sie sich z. B. das Bild, das auf der Einladungskarte abgedruckt ist, daraufhin an. Im Zentrum des Bildes weht eine rote Fahne – oder ist es ein Notenständer, nein, es ist natürlich ein Glas mit Rotwein, das auf einem grau-weißen Ponton (oder ist es ein Sonnensegel??) mitten im Mittelmeer (oder ist nur ein schöner, hellblauer Tag??) steht und einladend leuchtet. Die Flagge des Feierabends ist gehisst, man mag ein schönes Glas genießen, Ferienstimmung, Griechenland, Italien, Spanien, was Sie wollen. Das wäre eine erste inhaltliche Annäherung, wenn Sie das brauchen. Das Bild hat eine bestimmte Stimmung in Ihnen ausgelöst, da können Sie weiterspinnen. Und meine wie auch Ihre Interpretation verrät vielleicht mehr über Ihre momentane Befindlichkeit als Ihnen lieb ist!

Betrachten Sie in diesem Bild auch die sparsam gesetzte Zeichnung mit dünnem schwarzem Strich, wie er auch in den anderen Arbeiten auftaucht, um die thematischen, gegenständlichen Chiffren zu be”zeichnen”, fast immer mehrdeutig, d. h. offen für den Betrachter.

Auch die Farbmaterialität ”paßt” in die Interpretation, sie erinnert an abbröckelnde Mauern, an die Wandmalereien in Pompej, an Kalksteinhöhlen usw., ihr wohnt eine gewisse Morbidität inne, die wir im Mittelmeerraum, im Urlaub, besonders lieben. Sie entsteht durch Farbschichtungen, die die Bilder so haptisch erscheinen lassen. Manchmal werden sie dadurch fast zum Relief. Aber Ermschel arbeitet nicht, wie andere Künstler des Informel, mit Sand oder sonstigen fremden Materialien, sondern benutzt als Farbpigment u. a. belgische Kreide, die er mit Leinöl vermischt und Schicht für Schicht setzt. So entstehen die rauen, fast bröckelnden, morbiden Oberflächen, die die Prozeßhaftigkeit im Zumalen des Bildes offen legen.

Nebenbei: fremde Materialien in Öl machen den Restauratoren heutzutage ziemlich viel Kopfzerbrechen. Bei Ermschels Bilder können Sie da unbesorgt sein, sie halten vieles aus, bekommen nur mit der Zeit eine Patina, was ihrer Schönheit keinen Abbruch tut. Frank Ermschel lässt den Betrachter teilhaben an seinem Arbeitsprozess, indem er die Leinwandränder nicht hinter Rahmen versteckt, sondern sie offen lässt (das ist im übrigen seine ganz besondere Art der Rahmung). Auf der Leinwand schimmert vorwitzig ein Rot, ein Orange, ein Grün unter den grauen Schichten hervor, die am Rand einsehbar bleiben, sonst aber immer wieder übermalt werden.

Schichtungen als Stilelement auch bei den Zeichnungen: Ermschel benutzt verschiedene Arten von Pergamentpapieren, dünne und dickere, d.h. mal mehr, mal weniger deckend, mit verschiedener Lichtdurchlässigkeit, der Untergrund kann Arbeitsmaterial von anderen Arbeiten sein, der weiterentwickelt wird. Die Zeichnungen sind sparsamer gesetzt und dokumentieren Ermschels Arbeitsweise nachhaltiger als die Leinwände.

Noch immer fällt die zurückhaltende, gedeckte Farbigkeit der Leinwände auf, die zu dem rheinisch-fröhlichen Temperament des Künstlers so gar nicht zu passen scheinen – zugegeben, ein Klischee, dass wir es hier in Niedersachsen immer nur mit den sprichwörtlichen rheinischen Frohnaturen zu tun haben... Außerdem: denken Sie an Bochum!
Gegenüber der Peiner Ausstellung nämlich hat sich die Palette zugunsten eines Hell- und Dunkelblaus, vor allem aber eines Rots verändert. Die Bilder steigen aus der Askese des Schwarz-Weiß, unter dem die zugemalten Farben immer brodelten wie ein Vulkan, auf zu sinnlicher Farbigkeit. Rot! Glutroter Wein, die rote Piratenflagge, Wärme, Leidenschaft und Sinnlichkeit werden nicht länger ausgebremst. Vielleicht kommt hier der Paris-Aufenthalt ins Spiel, der zwischen der Peiner und der Gifhorner Ausstellung lag. Die pulsierende Lebendigkeit dieser Stadt mag auf Ermschel abgefärbt haben, wenn auch Paris heute nicht mehr das Mekka der Maler ist.

Durch die Farbschichtungen passiert aber noch etwas anderes: es entsteht Tiefenräumlichkeit, z. B. im Bild auf der Einladungskarte: Ein gebrochenes Weiß/Grau steht im Vordergrund, das Hellblau des Hintergrundes signalisiert Unendlichkeit. Man kann scheinbar ”hinter” das Sonnensegel oder was auch immer sehen. Der Bildraum ist nicht mehr klar eingrenzbar, er entzieht sich. Tiefenräumlichkeit entsteht. Festhalten kann sich der Blick am Rot des Glases, das sich in den Vordergrund drängt. Das mögen Sie selbst weiter interpretieren...Aber beachten Sie auch, dass an vielen Stellen des Bildes ein Rot aufblitzt, sogar ein Gelb und ein Grün.

Oder betrachten Sie sich das Bild daneben mit Fenster, Vase und Leiter. Sofort stellen sich angenehme Assoziationen ein: ein Haus am Mittelmeer, Griechenland und wiederum diese gewisse Morbidität der abbröckelnden Farbschichten der Hausfassade, die wir im Urlaub, aber nur da, so lieben. Nur ein sparsame Linie macht Andeutungen, sparsame Zeichen, hinter dem ein ganzes Universum zum Vorschein kommt. Rechts die grau-weiße Fläche ließe sich auch als Fenstergardine mit Vase deuten, als stände man als Betrachter im Zimmer und würde hinausschauen auf das gegenüberliegende Haus. Eine gewisse Mehrdeutigkeit bleibt immer in diesen Bildern bestehen, sie lässt eigene Interpretationen zu und legt nicht fest wie manch gegenständliches Bild.

Und darum sind diese Bilder von Frank Ermschel auch so gute Lebensbegleiter. Es lässt sich gut mit ihnen leben, sie integrieren sich in Ihre Räumlichkeiten, verändern sich aber mit Ihnen, je nach Befindlichkeit.

Dr. Ulrika Evers, Kreismuseum Peine, am 09.09. 2000


 

Lebenslauf

1957 geboren in Bochum
1983-1989 Studium der Malerei an der FH Aachen bei Prof. Christiane Maether
1989-1992 Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Trier
1995 Aufenthalt in Togo
1997 Aufenthalt in Venezuela
1998 Aufenthalt in Bangkok
1999 Aufenthalt in Paris
2000 Aufenthalt in Bangkok
aktuell Frank Ermschel lebt und arbeitet in Kerkrade (Niederlande).

 

 


 

Ausstellungen

1996 Musée d'Aberville, Aberville
1997 Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen
1997 Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg
1999 Kreismuseum, Peine
2000 Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg
2003 International Art Centre, Baarlo
2009 Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg

 


 

Gruppenausstellungen

1996 Graphik und Originale - Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg
1997-2002 Accrochage - Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg
2009-2010 ARTCO - FINE ART - ARTCO Galerie GmbH, Herzogenrath
2013 Ein Raum für Kunst / 25 Jahre Kunst-Ankäufe 1988-2013 - Kreismuseum Peine, Peine

 

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