Kirschner, Wulf


Kreismuseum Peine

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Kirschner, Wulf

Papierarbeit „Quadrat“, 5/2005.
Gouache, Bleistift, Papier 4 farbige Stahlreliefs aus der Serie „Bond Street“ 4 farbige Stahlreliefs aus der Serie „Bond Street“ 4 farbige Stahlreliefs aus der Serie „Bond Street“ 4 farbige Stahlreliefs aus der Serie „Bond Street“

Wulf Kirschner ist einer der erfolgreichsten Stahlbildhauer in Deutschland und wird von der Thomas Levy Galerie Hamburg vertreten. Er lebt und arbeitet in Frankfurt/M.

 


 

Information zu den Ausstellungsstücken

Prisma, zweiteilig, 2004, Schiffsbaustahl, geschweißt.
Ankauf 2009 des Fördervereins „Lebendiges Kreismuseum Peine e.V.“ aus der Ausstellung „150 Objekte für 150 Jahre Stahl“ 2008 als Beispiel, wie in der zeitgenössischen Kunst Stahl verarbeitet wird (s. im gleichnamigen Ausstellungskatalog, S. 143)

4 farbige Stahlreliefs aus der Serie „Bond Street“
Nr. 8, 10, 11, 12, 8/2008, Schiffsbaustahl, geschweißt, Acryl. Auf der Rückseite bezeichnet und signiert


Papierarbeit „Quadrat“, 5/2005.
Gouache, Bleistift, Papier, vom Künstler aufgezogen auf weißen Karton. Auf der Rückseite bezeichnet und signiert

Alle Ankäufe direkt vom Künstler aus der Ausstellung im Kreismuseum Peine 2008

 


 

 

Wulf Kirschner hatte neben seinem Atelier noch einen Arbeitsplatz auf einer großen Werft im Hamburger Hafen und damit die Möglichkeit mit handwerklichen gewieften Arbeitern in die Diskussion über Material, Arbeitsweise und manchmal sogar über seine Kunst zu kommen. Das gefällt ihm, bringen ihn die ständigen Dialoge doch weiter in seinem Anliegen, das Material, Stahl und hier im besonderen Schiffbaustahl, zu erforschen. Denn dieses Industriematerial trägt im wahrsten Sinne des Wortes eine Fülle von Tücken in sich.

Wenn Kirschner seine geometrisch einfachen Formen wie Quadrate, Rechtecke, Parallelogramme, Würfel, Quader, Pyramiden herstellt, muss er sein Handwerk beherrschen. So einfach die äußere Form ist, umso anspruchsvoller ist die Oberflächenstruktur. Sein künstlerisches Konzept sieht auf den Stahloberflächen Schweißnähte vor. Er schneidet auch gern Bleche aus und fügt sie per Schweißnaht wieder zusammen.



Der Stahl dehnt sich bei der Erwärmung durch das Schweißen aus. Beim Abkühlen geht er aber nicht in seinen Ursprungszustand zurück, sondern wird kleiner. Leider kann der Künstler nie wissen, um wie viel, er wird unregelmäßig kleiner. Über dieses Phänomen wird auch andernorts gegrübelt, an technischen Universitäten und am Fraunhofer Institut. Man spricht sogar davon, dass Vollmond und Springtide etwas damit zu tun haben – die Natur nimmt offenbar Einfluss auf das technische, industrielle Material.

„Für den Praktiker stellt sich diese Schrumpfspannung wie die Launen eines schlecht erzogenen Kindes dar. Mal gehorcht es, mal nicht“, sagt Kirschner. Daher müssen z.B. bei einer Pyramide, die als Grundriss ein gleichseitiges Dreieck hat, das in einem Punkt in 3 m Höhe zusammenläuft, mit 10 Spanten versteift werden, um die Schrumpfspannung aufzufangen. Denn sonst würde es eine ziemlich krumme Pyramide, also der künstlerischen Absicht, einen klaren geometrischen Körper zu erschaffen, zuwider laufen.

Mit viel Intuition holt Kirschner aus dem Material genau das heraus, was ihm vorschwebt. Kirschner ist ein Mensch der Vernunft, - nicht von ungefähr hat er auch Philosophie studiert. Genau hier verläuft der berühmte Schnittpunkt, die Gratwanderung, die den Künstler vom Handwerker trennt. Hier kommt Kunst auch von Können.
Allerdings spielt Kirschner bei seinen Oberflächen gern mit der Prozeßhaftigkeit der Schrumpfung. Die – wie er sie nennt - „Donauwellen“ der flachen Bleche gefallen ihm und bringen eine ganz eigene Gattung von Arbeiten hervor. Er spricht davon, dass er nur „einen Prozess angestoßen“ habe, alles andere entwickele sich, und genau das sei das Spannende. Aber nicht nur der Prozess der Schrumpfung interessiert den Künstler, sondern auch der Prozess von Zeit und Vergänglichkeit.

Auf den ersten Blick mögen die Quadrate, Rechtecke, Quader und Pyramiden streng und hermetisch wirken. Doch bei näherem Hinsehen entsteht durch die parallel gesetzten Schweißnähte eine bewegte, ja farbige wie auch grafische Oberflächenstruktur. Sie entwickeln ein Eigenleben, verlaufen wellenförmig wie eine ferne, unbekannte Schrift, die sich in die Unendlichkeit verliert, weil sie im Auge des Betrachters zu flirren anfängt und der Blick schweifen muss. Der Herzschlag-Rhythmus und das Zittern der Hand beim Schweißen bleiben an den krakeligen Linien ablesbar. Die Arbeiten verweisen den Betrachter meditativ auf sich selbst zurück, da nichts Inhaltliches stört. Die malerische Farbigkeit erinnert an Informel-Arbeiten, denn die Elektroden changieren von Silber, nach Blau oder Rostrot. Grafik und Malerei gehen in diesen skulpturalen Arbeiten eine kongeniale Verbindung ein und führen zum Ausgangspunkt von Kirschners Studium zurück.

In den stillen „Quadraten“ betitelten Arbeiten besteht der Untergrund aus schnell hingeworfenen, waagerechten Bleistift-Krakeluren, den aufgeschweißten Elektroden nicht unähnlich, über die mit einem breiten Rakel oder Blech weiße Farbe gestrichen ist, als sollten die lauten Äußerungen zum Schweigen gebracht werden. Etwas wollte heraus, was anschließend zugedeckt wird, als würde man die Hand vor den Mund halten.

Die Serie „Bond Street“ verbindet Relief und Acryl-Malerei, in die sich kleine rostige Stellen hineingefressen haben, Spuren des Zeitprozesses und der Vergänglichkeit.
Wulf Kirschner benutzt Prinzipien der Konkreten Kunst, 1924 von Theo van Doesburg eingeführt für eine Richtung der Kunst, die auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Aber damals wollte man Symbolik, Dramatik, Lyrismus ausschalten und nur mit den Größen der Mathematik und der Wissenschaft, d.h., mit den Mitteln des Denkens arbeiten.

Bei längerer Beschäftigung mit Kirschners Arbeiten und mehrmaligem genauen Hinsehen schärft der Betrachter seine Wahrnehmung. Was zuerst sehr streng und archaisch wirkt, entwickelt ein reiches, differenziertes Leben, das sich eben nicht auf den ersten Blick erschließt. Ästhetische, philosophische Qualitäten prägen diese Kunstwerke, Prozeßhaftigkeit und Vergänglichkeit werden erfahrbar.

Dr. Ulrika Evers, Kreismuseum Peine

 


 

Lebenslauf

1947 geboren in Kiel
1970-1976   Studium der Malerei und Grafik an der HfBK Hamburg, Studium der Philosophie an der Universität Hamburg (M.A.)
1976-1978 Studium der Bildhauerei an der HfBK Hamburg
1980 Arbeitstipendium im Künstlerbahnhof Ebernburg
1981 Kunstförderpreis der Stadt Buxtehude
1982 Idee und Organisation des ersten Künstlersymposions Künstler vor dem Deich, Cuxhaven
1984 Barkenhoff-Stipendium, Worpswede; Förderung des Kunstfonds e.V., Bonn Idee und Organisation des zweiten Künstlersymposions Künstler vor dem Deich, Cuxhaven
1991 Niedersächsisches Künstlerstipendium
seit 1996 Idee und Realisation The Great Wall- The Endless Line, Projekt für die Große Mauer in China
2008 Arbeitsaufenthalt in New York, Independent Art Studios, Queens
Einzelausstellung im Kreismuseum Peine
2013 Umzug nach Frankfurt/M.

 


 

Ausstellungen

(E)=Einzelausstellung (K)=Katalog

1991 Kunstverein Bielefeld (mit H. Thiel) Galerie von der Koelen, Mainz (E,K)
Kunstverein Bremerhaven (E)
1992 Kunstverein Bayreuth (E) Stadt.
Museum Schloß Salder, Salzgitter (K)
1993 Galerie K, Cuxhaven (E)
Stadt. Museum Schloß Salder, Salzgitter
Museum für Konkrete Kunst, Erfurt
1994 ART STUDIO 1, Deinste(E)
Schloß Ritzebüttel, Cuxhaven (E)
Galerie von der Koelen, Mainz
1995 Stadt. Galerie, Bremen (E)
ART STUDIO 1, Deinste
1996 Oldenburger Kunstverein (E,K)
Stadt. Museum Schloß Salder, Salzgitter
1997 Hafnarborg, Hafnafjördur, Island (E,K)
1998 ART STUDIO 1, Deinste (E)
Forum Konkrete Kunst, Erfurt
2000 Robert Pardo Gallery, New York (E)
Galerie Giani, Frankfurt (E)
Galerie Roland Aphold, Basel (E)
2001 Stadt. Museum Schloß Salder, Salzgitter (E,K)
Hamburgische Landesbank, Hamburg (E,K)
2002 Kunstverein Kehdingen, Freiburg/ Elbe (E)
Neues Museum Weserburg, Bremen
Galerie der Stadt Remscheid
Robert Pardo Gallery, New York
2002-2003 Königin-Christinen-Haus, Zeven (E)
2003 Galerie Giani, Frankfurt (E)
Kunstverein Oerlinghausen (E)
Museum für Konkrete Kunst, Erfurt
2004 Kunstverein Hochrhein, Bad Säckingen (E)
Hamburger Kunsthalle
2005 Sebastian Fath Contemporary,
Mannheim (mit Rolf Rose)
2006 Artefact Robert Pardo Gallery, New York
Villa Merkel, Esslingen
Goethe-Institut, Washington D. C.
Donna Rogers Fine Art, Houston
sculpture@CityNord, Hamburg
Galerie Levy, Hamburg (E, K)
Haus der Kunst, Brunn
2007 Salena Gallery and Washinghton D. C., Goethe-Institut, New York,  
2008 Kreismuseum Peine „Stahl::Zeit“ (Beteiligung)
2009 Robert Pardo Gallery, New York,
Kreismuseum Peine (E)
2010 Leuphana Universität, Lüneburg
2011 Thomas Levy Galerie, Hamburg
ARTE GIANI, Frankfurt
2012 Landesbibliothek, Oldenburg
2013 ARTE GIANI, Frankfurt
Skulpturenprojekt Wallanlagen, Stade
2014 zone contemporaine, Bern
Museum Weserburg,Bremen
Stadtmuseum Hüppesaal, Oldenburg

 


 

Werke in Museen und öffentlichen Sammlungen

Bremen Neues Museum Weserburg, Leihgabe des Instituts für Auslandsbeziehungen (IfA)
Cuxhaven Stadtsparkasse Cuxhaven
Erfurt Museum für Konkrete Kunst
Frankfurt Sammlung Deutsche Bank
Gelsenkirchen Städtisches Museum
Hamburg Hamburger Kunsthalle
 
Hannover HSH Nordbank, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg,
Rik Reinking Collection
Hünfeld Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Kaiserslautern Museum der Pfalzgalerie Kaiserslautern
Mainz van der Koelen-Stiftung für Kunst und Wissenschaft
Offenbach Klingspor Museum
Otterndorf Museum für Gegenstandsfreie Kunst - Studio a -
Pirmasens Sammlung Alexander Baier
Salzgitter Museum Schloß Salder
Stuttgart Staatsgalerie Stuttgart
Peine Kreismuseum Peine
Bremen Bibliothek Vegesack
Airbus Deutschland
Cuxhaven Stadtsparkasse Cuxhaven
Mainz Konrad-Adenauer-Ufer (Rheinpromenade)
Hamburg HSH-Nordbank, Schule Kerschensteiner Straße
Oldenburg Niedersächsisches Staatsarchiv
Zeven Fußgängerzone Lange Straße

 


 

Weitere Informationen

http://www.wulf-kirschner.com/ zurück
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